Karlovy Vary, wie die Tschechen das malerische Kurstädtchen Karlsbad nennen, liegt im westbömischen Bäderdreieck. Schon Goethe schwärmte sehr für die Stadt, er schrieb 1812 in einem Brief an Wilhelm von Humboldt: „Weimar, Karlsbad und Rom sind die einzigen Orte, wo ich leben möchte.“ Dem Geographen Humboldt wird das Zitat zugeschrieben, Karlsbad sei „ein Brillant in einer Smaragdfassung“, wegen seiner prächtigen Bäderarchitektur im Tal der Tepla, umgeben von bewaldeten Hügeln.
Geadelt als „Great Spa of Europe“
Karlsbad ist berühmt für seine Thermalquellen. Seit 2021 zählt die Stadt (wie die benachbarten Franzensbad und Marienbad) zum UNESCO-Weltkulturerbe der bedeutendsten Kurstädte Europas („Great Spas of Europe“), zusammen mit zehn weiteren Kurorten wie Baden Baden oder Bath in Großbritannien.
Schon im 14. Jahrhundert wurden Karlsbads Thermalquellen entdeckt. Seine Glanzzeit erlebte der Kurort und die anderen „Great Spas“ im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Rund um die Quellen wurden Kurgebäude wie Wandelhallen, Trinkhallen, Badeanlagen und Kolonnaden errichtet, darüber hinaus eine begleitende Infrastruktur wie Casinos, Theater, Hotels, Villen und Gärten angelegt. Die Kurorte dienten als Treffpunkte der damaligen „High Society“, sprich der Adligen und des wohlhabenden Bürgertums, aber auch vieler Künstler. In Karlsbad zeigt sich diese typische „Kurarchitektur“ auch heute noch in vollendeter Form mit zahlreichen Jugendstil- und „Zuckertortenvillen“, Hotels wie dem ikonischen „Grand Hotel Pupp“ – einst Drehort für James Bond – und natürlich den weltbekannten Kolonnadengängen. Man kann sagen: Karlsbad ist auch heute noch ein Juwel! Im Gegensatz zu anderen Kurstädten geht es in Karlsbad sehr lebhaft zu, die Promenade entlang der Tepla ist immer gut gefüllt mit Flaneuren aller Nationalitäten und jeglichen Alters. Auch wer ein bisschen Shoppen will, hat hier eine große Auswahl!
Heute finden sich in Karlsbad 14 Thermalquellen und deren Austritte sind vor allem in den Kolonnaden zu finden, sie heißen Marktkolonnade, Mühlbrunnkolonnade, Parkkolonnade, Schlosskolonnade und Sprudelkolonnade. Die bekannteste Quelle ist in der Sprudelkolonnade und wird, wie auch sonst, Sprudel (tschechisch Vřídlo) genannt (leider in einem ziemlich hässlichen Gebäude untergebracht). Etwa 2.000 Liter pro Minute des 72 Grad heißen Thermalwassers schießt bis zu 14 Metern in die Höhe. Die mineralreichen Thermalwässer von Karlsbad sind alkalisch und glaubersalzhaltig. Und sie sind ziemlich heiß. Achtung also beim Trinken! Der Kenner kauft sich ein typisches Karlsbader Schnabeltässchen (eigentlich gedacht für bettlägerige Patienten), durch den langen Schnabel kühlt das Wasser vor dem Trinken etwas ab.
Von den zahlreichen Hotels sticht eines besonders ins Auge: der „Platzhirsch“, das Grandhotel Pupp am südlichen Rand der Kurzone. In diesem ikonischen Luxushotel haben schon zahlreiche Promis, von Beethoven über Napoleon und Otto von Bismarck bis Robert Redford und Scarlett Johansson übernachtet. Und es diente mehrfach als Filmkulisse, bekanntestes Beispiel dürfte James Bonds Casino Royale (2006) sein. James Bond und Vesper Lynd übernachteten hier. Drehort der Casinoszenen (die eigentlich in Montenegro spielt) ist das benachbarte Kaiserbad.
Loket: das „böhmische Rothenburg“
Wer noch mehr James-Bond-Filmkulisse sehen will, dem sei ein Ausflug ins benachbarte Loket (deutscher Name: Elbogen) empfohlen. Aber nicht nur wegen James Bond solltet ihr hier herfahren, denn das auch als „böhmisches Rothenburg“ bezeichnete Kleinstädtchen ist sehr malerisch, seine Altstadt steht komplett unter Denkmalschutz. Es liegt auf einem Granitrücken, der von drei Seiten von der Eger umflossen wird. Parken solltet ihr optimalerweise auf kostenpflichtigen Parkplätzen am Ortsrand (füllen sich allerdings schnell), von dort aus sind es nur ein paar Schritte ins historische Zentrum.
Ihr landet dann zwangsläufig auf dem Marktplatz von Loket, wo in Casino Royale sich James Bond mit Mathis trifft. Weitere Prominenz, die einst hier logierte, war Goethe im Hotel „Zum Weißen Ross“ (nicht etwa im gegenüberliegenden Hotel Goethe).
An der höchsten Stelle thront die Burg Elbogen, die auch besichtigt werden kann. Trotz vergitterter Fenster könnt ihr vom Turm aus eine schöne Aussicht genießen! Sehenswert sind auch der hier ausgestellte Meteorit mit seiner Geschichte. Der Meteorit, damals als Teufelsbote betrachtet, fiel hier um etwa 1400 vom Himmel und ist damit der älteste seiner Art in Europa. Zu sehen ist leider nur ein kleines Stück dieses einst etwa 107 Kilogramm schweren Meteorits, der schon Goethe faszinierte. Der größte Teil ist im Naturkundemuseum in Wien ausgestellt, weitere Teile in Prag und Berlin.
Teil des Rundgangs durch die Burg ist auch ein Besuch des Kellergeschosses mit zahlreichen Folterkammern und entsprechenden -instrumenten, schauerlich inszeniert und sogar mit Tönen der Gemarterten untermalt. Für zartbesaitete (und oder junge) Gemüter ist die Triggerwarnung am Anfang sicher ernst zu nehmen!
Franzensbad: noch mehr Thermalwasser
Ein weiterer Tagesausflug ab Karlsbad bietet sich nach Marienbad und Franzensbad an, die das böhmische Bäderdreieck komplettieren. Nachdem wir vor Jahren schon in Marienbad waren, entscheiden wir uns dieses Mal für Franzensbad (Františkovy Lázně), Partnerstadt unseres Nachbarortes Bad Soden/Taunus. Franzensbad ist deutlich kleiner als Karlsbad und weniger mondän. Es geht es hier einiges beschaulicher zu, Franzensbad hat nicht die tolle Lage von Karlsbad an der Tepla, die Bädervillen sind weniger beeindruckend. Aber Thermalquellen, insbesondere Glaubersalzquellen, gibt es auch hier zahlreich (insgesamt 12 werden für den Kurbetrieb genutzt), sie alle sind im Gegensatz zu Karlsbad kalt. Außerdem hat das Städtchen ganz nette nette Flaniermeilen und ausgedehnte Kurparks. Symbol des Kurorts ist die Statue des Franzl, die etwas versteckt im Kurpark steht. Sie gilt als Fruchtbarkeitssymbol: Frauen mit Kinderwunsch sollen die Skulptur berühren, dann werden sie innerhalb eines Jahres schwanger. Wo genau frau hinfassen soll, ist nicht nur logisch, sondern zeigt sich auch am blank gescheuerten Körperteil…
Kulinarische Besonderheiten
Und wie immer gehört auch die Kulinarik zu unseren Reisen dazu. Mitbringsel für Jung und Alt sind die berühmten Karlsbader Oblaten, die überall in Karlsbad (aber auch in Prag und Franzensbad) angeboten werden. Die zwei dünnen, tellergroßen Oblaten bestehen aus Wasser – natürlich Karlsbader Mineralwasser -, Mehl und Stärke. Sie werden in heißen Eisen gebacken und anschließend mit einem Stempel ausgestanzt. Anschließend füllt man sie entweder mit einer Mischung aus Nüssen (Haselnüssen oder Mandeln) und Zucker oder mit einer süßen Creme aus Vanille oder Schokolade/Kakao, zahlreiche weitere „neumodische“ Varianten sind erhältlich. Sie sind ein leckerer Snack zwischendurch oder werden zusammen mit einem Kaffee gegessen. Seit 2011 sind Karlsbader Oblaten als geschützte geografische Angabe geschützt.
Eine weitere Spezialität Karlsbads ist der Kräuterbitter „Becherovka„, einst Karlsbader Becher-Bitter genannt. Der grün-gelbfarbene Kräuterlikör wird nach einem geheim gehaltenen Rezept aus 20 verschiedenen Kräutern (aus Europa) und Gewürzen (aus Übersee) hergestellt. Der Erfinder, Apotheker Josef Vitus Becher, hat seine Mischung Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst als medizinische Magentropfen verkauft. Dessen Sohn Johann entwickelte daraus den heutigen, verdauungsanregenden Magenbitterlikör, seine Unterschrift ziert die typischerweise flachen, grünen Becherovka-Flaschen. Scherzhaft wird der Becherovka auch die „dreizehnte Karlsbader Heilquelle“ genannt, und ich empfehle unbedingt auch hier eine Probe. Könnt ihr direkt an der Flusspromenade machen, die übergroße Flasche ist nicht zu übersehen. Der Bitter wird entweder pur (am besten gekühlt) oder als Mischgetränk getrunken, beispielsweise als „Beton“: Becherovka mit Tonic Water, hat mir auch gut geschmeckt. Weniger Gegenliebe fanden bei mir die zahleichen „neumodischen“ Becherovka-Mischungen, das Original ist definitiv mein Favorit! In diesem Sinne: Na zdraví!























































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