In Westsizilien liegen, nicht einmal eine Autostunde voneinander entfernt, zwei der bedeutendsten archäologischen Ausgrabungsstätten der Insel: Segesta und Selinunt. Beide sind von unserem Urlaubsort Castellammare del Golfo (siehe Osterurlaub auf Westsizilien in Castellammare del Golfo) weniger als eine Autostunde entfernt.
Segesta: Stadt der Elymer mit unvollendetem Tempel und Amphitheater
Unser erster Besuch gilt Segesta, im hügeligen Hinterland von Castellammare gelegen. Wie oft gehören wir zu den ersten auf dem Parkplatz, der sich aber schnell füllt – trotz Vorsaison. Den Grund erfahren wir an der Kasse: Zufällig haben wir den ersten Sonntag im Monat erwischt, da ist der Eintritt (6,- Euro, Stand April 2025) frei! Wir zahlen also nur den Audioguide (5,- Euro) und verzichten auch auf den Shuttle, der uns vom Kassenhäuschen zum etwa 1.250 Meter entfernten Amphitheater bringen würde. Dank der angenehmen Temperaturen in der Vorsaison ist es kein Problem, diese Strecke zu laufen!
Segesta war eines von drei politischen Zentren der Elymer (ein weiteres Zentrum war Eryx, heutzutage Erice, von dem in einem späteren Blog noch die Rede sein wird). Die Elymer haben Sizilien bereits vor der griechischen Zeit der Insel besiedelt. Ihre Herkunft der Elymer ist nicht vollständig geklärt, es wird vermutet, dass dieses antike Volk einst aus Troja nach Sizilien ausgewandert war.
Entgegen der Empfehlung des Audioguide laufen wir zuerst die kurze Strecke zum dorischen Tempel den Berg hinauf. Er wurde Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. im Stil der klassischen Architektur griechischer Städte auf Sizilien erbaut (höchst ungewöhnlich für die Elymer), umfasst 6 auf 14 Säulen und ist sehr gut erhalten. Dies könnte zum einen an seiner relativen Abgelegenheit liegen, die eine Nutzung der Tempelsteine als Steinreservoir verhinderten. Ein weiterer Grund könnte sein, dass der niemals geweihte, weil nie fertiggestellte Tempel, nicht entweiht werden konnte. Dieser unfertige Zustand ist an den Säulen zu erkennen, die noch eine transportbedingte Schutzschicht aufweisen. Außerdem sind an den Stufen des Sockels noch Steinnasen sichtbar, die ebenfalls später abgeschlagen worden wären. Es wird vermutet, dass kriegerische Auseinandersetzungen seine Fertigstellung verhinderten.
Der Tempel kann von verschiedenen Seiten betreten werden und bietet eine schöne Aussicht auf die hügelige Landschaft, die derzeit in voller Frühlingsblüte steht (was mich ebenso viele Fotos von den Pflanzen wie von den Steinen machen lässt…)!
Vom Parkplatz aus windet sich ein geteerter Weg (für den Bus) und mitunter ein davon abgetrennter Fußweg über mehrere Stationen (z.B. die Festungsmauer, das „Antiquarium“ mit einer Ausstellung etc) den Berg hinauf zum 1250 Meter entfernten zweiten Höhepunkt der archäologischen Anlage: dem Amphitheater. Von unterwegs eröffnen sich tolle Ausblicke auf den Tempel und besagte Blütenpracht, sogar eine einheimische Orchideenart, ein Italienisches Knabenkraut, sehen wir hier, nebst zahlreichen Frühlingsblumen wie der lilafarbene Borretsch, Malven, Nelken und die allgegenwärtige gelbe Kronenwucherblume (Glebionis coronaria).
Nicht weniger beeindruckend als der Tempel ist das Amphitheater von Segesta. Das Theater ist jünger als der Tempel, wurde später unter römischer Herrschaft umgebaut, vor einigen Jahren renoviert und noch heute für Veranstaltungen genutzt. Es liegt etwa 300 Meter über dem Meeresspiegel und von hier aus haben wir einen traumhaften Ausblick über den Golf von Castellammare (inklusive der Autobahn nach Trapani).
Neben diesen beiden Hauptattraktionen, dem Tempel und dem Amphitheater, findet man noch Reste einer antiken Stadtmauer, Wohnhäuser, eine Burg und andere archäologische Spuren, die Einblicke in das Leben der Elymer, Griechen und Römer gewähren. Mir hat Segesta nicht nur wegen seiner archäologischen Bedeutung, sondern besonders wegen der reizvollen Lage und Aussicht sowie seines frühlingshaften Blumenmeers begeistert!
Selinunt: griechische Metropole mit zahlreichen Tempeln am Meer
Einmal quer über die Insel, etwa 50 Kilometer entfernt, liegt die zweite archäologische Stätte: Selinunt. Mit den dortigen Bewohnern pflegten die Einwohner Segestas eine intensive Feindschaft und führten zahlreiche Kriege.
Wir parken unser Auto auf dem vorhandenen Parkplatz (der in der Hauptsaison vermutlich kaum ausreicht) und kaufen unsere Tickets (Erwachsene: 14,- Euro, Stand 2025). Wie in Segesta ist auch hier die Anlage sehr weitläufig, weshalb neben Ticket und Audioguide auch Fahrräder gemietet oder ein Shuttleservice gebucht werden kann. Alles ist aber auch fußläufig machbar (schätzungsweise um die 5 Kilometer Fußweg), zumindest in der angenehm temperierten Vorsaison.
Selinunt – der Name ist dem hier wachsenden wilden Sellerie zu verdanken – wurde etwa im 7. Jh. v. Chr. von dorischen Griechen gegründet. Fruchtbares Ackerland und die Lage am Meer sorgten für Wohlstand, was an zahlreichen Tempeln erkennbar ist. Allerdings wurden sämtliche Tempel und Gebäude Selinunts vor Jahrhunderten durch Erdbeben zerstört.
Unweit des Haupteingangs liegt weithin sichtbar das Wahrzeichen von Selinunt, der Tempel E. Er wurde als einziger nach dem 2. Weltkrieg wieder komplett aufgebaut, die Rekonstruktion ist allerdings umstritten. Dafür liegt auch er derzeit wunderhübsch inmitten eines Blumenmeers und bietet dazu noch Ausblick auf das tiefblaue Mittelmeer!
Weitere Tempel der Anlage wurden teilrestauriert, ein großer Teil der Anlage ist allerdings nicht restauriert. Beispielhaft dafür sei das riesige Trümmerfeld des größten Tempels G (direkt neben E) genannt, hier lassen sich besonders gut die tonnenschweren Säulentrommeln erkennen, die im antiken Steinbruch Rocche di Cusa gewonnen wurden. Dieser nicht weit von Selinunt liegende Steinbruch kann ebenfalls besucht werden.
Vom ersten Komplex der Anlage („Collina Orientale) führt ein Weg zur Akropolis mit weiteren Tempeln. Ins Auge fällt der Tempel C, weil von diesem noch eine Säulenreihe steht. Reizvoll ist nicht nur das Klettern in diesem „archäologischen Trümmerfeld“ der Akropolis, beobachtet von unzähligen Eidechsen, sondern auch dessen direkte Lage am Meer. Und ganz besonders reizvoll ist eine Granita oder ein Aperol Spritz in der Bar mit Blick über den Strand!
Tatsächlich macht diese Lage direkt am Meer Selinunt zu etwas Besonderem. Was hat uns nun besser gefallen? Wir können uns schwer entscheiden. Beide zählen unbestritten zu den archäologischen Highlights Siziliens. Obwohl das Wetter hier einiges schlechter war, schlägt mein Herz etwas mehr für Segesta, weil mich seine landschaftliche Lage und botanische Vielfalt etwas mehr beeindruckt hat, mein Mann ist „Team Selinunt“.
Zuguterletzt noch zwei Tipps:
Wer nach dem Besuch von Selinunt eine Kleinigkeit essen möchte, dem sei ein Besuch bei „Bonsignore Carni“ in Castelvetrano empfohlen. Gleichzeitig Metzgerei und Feinkostgeschäft, bietet Bonsignore verschiedene Gerichte zum Mitnehmen oder zum Vor-Ort-Verzehr an. Unsere Pappardelle mit Wildschwein-Ragout waren der Hammer und die Lasagne eine der besten, die ich je gegessen habe.
Ein zweiter Tipp für alle, die gerade in den kühleren Monaten Segesta besuchen. Unweit der Tempelanlage gibt es Thermalquellen, die sowohl über ein Schwimmbad (Terme Segestane) als auch „gratis“ („Sorgente delle Terme Naturali Libere di Segesta“) inmitten eines Baches genutzt werden können. Wer die frei zugänglichen Quellen besuchen will: Es führt eine ziemlich schlechte Straße dorthin und es sind nur wenige Parkplätze vorhanden. Um dann zum Naturbad zu gelangen, muss ein Bach durchquert werden.






























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