Ich bin ja eher Fraktion Instagram als Fraktion Facebook und tatsächlich ist es Instagram zu verdanken, dass ich auf dieses Naturparadies aufmerksam wurde. Die Rede ist von den Îles Chausey, hierzulande eher unbekannt, würde ich mal wagen zu behaupten. Die Inselgruppe liegt in der Bucht des Mont St. Michel, etwa 15 Kilometer westlich der Stadt Granville. Sie besteht – je nachdem, ob man bei Ebbe oder bei Flut zählt – aus mindestens 20 Inseln (bei Ebbe sind es mehrere hundert), von denen nur die größte, die Grand-Île, dauerhaft bewohnt ist. Mit ihren zahlreichen Inseln sind die Îles Chausey das größte Archipel Europas, sowohl Meer als auch Land stehen unter dem europäischen Schutzstandard „Natura 2000“.
Wie die Franzosen halt so sind, wird auf Französisch vermarktet, was wahrscheinlich der Grund für die Unbekanntheit des Archipels ist. Das fängt schon bei der Fährverbindung an, die Internetseiten von „Vedettes Jolie France“ sind nur auf Französisch. Dessen glücklicherweise weit genug mächtig, buche ich eine Überfahrt von Granville (gebührenpflichtige Parkplätze direkt am Hafen vorhanden) auf die Inseln, plus eine Fahrt durch die Inselwelt. Etwa eine Stunde dauert die Überfahrt, bei der wir in der Ferne den Mont St. Michel und auf der anderen Seite die englische Kanalinsel Jersey sehen.
Bei der Einfahrt ins Archipel zeigt sich, was die Inseln ausmacht: Sie sind im wesentlichen aus Granit-Gestein geformt, die einzelnen Felsen bzw. Inseln sind bei Niedrigwasser durch Sandbänke miteinander verbunden. In Kombination mit dem türkis- bis dunkelblauen Meer ist das extrem malerisch.
Angekommen am Hafen ist zu sehen, was neben dem Tourismus die zweite Einnahmequelle der Inselbewohner und Freizeitbeschäftigung vieler Gäste ist: der Fang bzw. das Sammeln von Fisch und Meeresfrüchten.
Am Ticketschalter in Granville haben wir uns einen Inselplan besorgt und sogleich geht es los zur Inselerkundung. Wir laufen entgegen dem Uhrzeigersinn durch das Inseldorf (hier gibt es Restaurants/Imbisse, Toiletten und ein Lebensmittelgeschäft), entlang der Bucht voller Boote, vorbei an der Kapelle, bis zum Strand Grand Grève. Dieser nördliche Teil des Rundwegs ist gut auch mit kleinen Kindern und Kinderwagen machbar. Der naturbelassene, feinsandige Strand Grand Grève mit seinen Dünen zwischen den Granitfelsen ist wunderschön, wir plantschen ein bisschen, beobachten die Seevögel und kleine Steinmännchen – Entschleunigung pur!
Weiter geht es in Richtung Port Homard. Dieser „Hummerhafen“ war einst der Haupthafen der Insel, über den alten Anlagen thront das alte Fort (Vieux Fort). Wie wir später bei der Inselumrundung per Boot erfahren, war Louis Renault einst Besitzer der Burg, weshalb sie auch Chateau Renault genannt wird. Heute ist sie in anderweitigem Privatbesitz und kann nicht besucht werden. Ab hier wird der Weg zumindest mit dem Kinderwagen problematisch, da es über Stock und Stein geht, für Fußgänger ist er aber gut machbar. Wir landen schließlich am ebenfalls sehr schönen Strand von Port Marie, der in der Hochsaison sogar überwacht wird. Weiter geht es um die Landzunge Pointe de la Tour, verschiedene Wege mit oder ohne „Le Fort“ – eine weitere Befestigungsanlage – sind möglich. Immer wieder bieten sich tolle Ausblicke auf die Strände und umliegenden Insel(chen) – es ist einfach nur schön! Erst im Dorf begegnen uns wieder mehr Menschen, auf dem Inselrundweg verteilen sie sich sehr gut, so dass nie das Gefühl besteht, in Massen unterwegs zu sein.
Der große Inselrundweg ist gut in zwei Stunden machbar, mit Zwischen(Bade-)stopps an den Stränden kann er auch deutlich länger dauern. Im Dorf kehren wir dann noch im Selbstbedienungsgarten von „La Cabane du Pecheur“ ein – hier sitzt man mit herrlichem Blick auf die Bucht. Die anschließende Bootstour führt uns einmal durch das Archipel und wir erfahren noch einiges Wissenswertes rund um die Inseln, beispielsweise dass hier früher im großen Stil Granit abgebaut wurde und dass das Fort einst als Kriegsgefängnis diente. Wir sehen viele Wasservögel, vor allem Kormorane und die Muschelbänke der Fischer, leider an diesem Tag keine Robben. Danach geht es zurück nach Granville, wo sich auf der anderen Seite des Hafens ganztägig Meeresfrüchte genießen lassen, zum Beispiel im „Au P’tit Mareyeur“.
Die Îles Chausey sind in unseren Augen ein kleiner Geheimtipp, der selbst zur Hochsaison (noch) nicht überlaufen ist. Wer Natur, schöne Sandstrände und Granitfelsen liebt, dem sei ein Tagestrip dorthin absolut zu empfehlen!
























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