Mittlerweile sind wir im Hinterland der weitläufigen Bucht des Mont St. Michel angekommen. Wir übernachten in der empfehlenswerten Unterkunft „La Crépellière„, mit Chambres d’Hôte des reizenden englischen Paares Debbie und Rob Buck. Sie haben einen der typischen normannischen Bauernhöfe liebevoll restauriert und führen ihr Kleinod mit zahlreichen Tieren mit Leib und Seele. Das Bed&Breakfast (leckeres Abendessen auf Nachfrage und Vorbestellung erhältlich) liegt innerhalb der Gemarkung des Städtchens Villedieu-les-Poêles, das für seine Glockengießer und Kupferschmiede bekannt und durchaus einen Zwischenstopp wert ist.
Von hier aus lassen sich u.a. auch die Landungsstrände (siehe Erinnerungskultur: Schlacht um Verdun und D-Day in der Normandie) und die Bucht von Mont St. Michel bestens erkunden.
Vielfach gewarnt vor dem Massenandrang auf der Klosterinsel Le Mont St. Michel – UNESCO-Weltkulturerbe und zu den meistbesuchten Orten Frankreichs zählend – haben wir uns für eine Wattwanderung dorthin entschlossen. Frei nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“ und Wattwandern macht Spaß, denn aus der Nähe sehen wollten wir den weltberühmten Felsen schon einmal. Es gibt mehrere Anbieter, aber leider finden nur sehr wenige Touren auf Englisch oder gar auf Deutsch statt (und die passen dann oft terminlich nicht oder sind ausgebucht). Auch unsere Tour mit „Chemins de la Baie“ wird mit französischsprachiger Guide Deborah durchgeführt, die immer mal wieder auf Nachfrage von uns und anderen die Schlüsselwörter auf Englisch einstreut. Wir starten nach einer kurzen Einführung mit einigen anderen Gruppen ab Bec d’Andaine (gebührenpflichtiger Parkplatz, Restaurant und Toiletten vorhanden). Und schon nach Überquerung der ersten Düne sehen wir ihn, den majestätischen Felsen. Ein toller Anblick! Schnell verlaufen sich die verschiedenen Trüppchen im weitläufigen Wattenmeer. Barfuß laufen ist angesagt, der Untergrund wechselt immer wieder von sandig zu glitschig-schmierig – ein Wunder, dass keiner im Schlick landet! Auch bis zu knietiefe Priele überqueren wir unter ständiger Ermahnung, nicht stehenzubleiben – sonst hält uns der Treibsand fest. Wir haben großes Glück mit dem Wetter, es ist von oben trocken und leicht bewölkt. Bei Regen oder strahlendem Sonnenschein inklusive „Verbrenngarantie“ durch den reflektierenden Untergrund wäre das Vergnügen für mich nur halb so schön. So aber genieße ich das Gematsche zwischen meinen Zehen und die näher kommende Klosterinsel. Zwischendurch halten wir immer wieder an und Deborah zeigt uns unter anderem Salzqueller (lecker!!!), ein Tintenfisch-Gelege oder sogar eine Robbe in einem der Priele. Natürlich klärt sie uns auch über die Besonderheiten der Gezeiten (die stärksten Europas!) und des Wattenmeeres auf, insbesondere über die Gefahren, und wir dürfen alle mal im Treibsand versinken und uns wieder daraus befreien.
Nach etwas mehr als drei Stunden und sieben Kilometer Marschieren durch’s Watt gelangen wir an die Außenmauern des Mont St. Michel. Schon aus der Ferne ist eine lange Schlange die komplette Treppe zum Kloster am höchsten Punkt der Insel zu sehen. Mit Ruhe und Idyll ist es vorbei, vor dem Eingangstor verteilen sich die Massen noch, die sich dann wie durch ein Nadelöhr durch dasselbe und durch die engen Gassen quetschen. Samt Hunden, Kinderwägen und allem, was sonst noch so dazugehört. Alles andere als ein Vergnügen. Wir flüchten erst einmal in die Creperie „La Sirène Lochet“, die glaube ich als einziges Lokal vor Ort eine herausragende Bewertung erhält (ich habe noch nie so viele schlechte Bewertungen auf einen Haufen gesehen). Da wir um 14 Uhr angekommen sind, haben wir Glück, müssen nur 10 Minuten warten. Wir bekommen einen Platz direkt am Fenster im 1. Stock, das Grauen in der Gasse unter uns und die Fertigpizza von gegenüber ständig vor Augen. Wir sind nach unserem Marsch erst einmal froh zu sitzen und leckere süße und salzige Crepes zu essen. Danach laufen wir die Gasse wenigstens bis zum Friedhof nach oben, haben dann aber die Nase voll und flüchten endgültig – an ein Besuch der Abtei ist aus Zeitgründen (Anstehen mindestens zwei Stunden) nicht zu denken (kauft bloß kein Ticket vorab!). Wenigstens ist die Logistik um die Insel super organisiert, der Gratis-Shuttle-Bus bringt uns zum knapp drei Kilometer entfernten Großraumparkplatz (hier auch Tourist-Information, Ausstellung und Toiletten), wo uns ein Bus abholt und zurück zum Ausgangspunkt Bec d’Andaine bringt. Overtourism in Reinkultur, aber wir können ja „still“ sein, auch wir sind ein Teil davon, auch wenn wir mit dem „Umweg Wattwanderung“ wenigstens einen etwas ökologischeren Weg gewählt haben.
Unser Fazit zum Mont St. Michel: Die Wattwanderung ist sehr empfehlenswert (zumindest wenn die äußeren Bedingungen stimmen). Bucht und Klosterberg einmal zu sehen, war für uns ein „Muss“. Wer die Abtei besuchen möchte, sollte früh morgens vor Ort sein, um nach Öffnung der Klostertore (aktuell 9:30 Uhr) zu den ersten Besuchern zu gehören. Generell sind, ob mit oder ohne Kloster, die frühen Morgen- und Abendstunden für einen Besuch der engen Gassen in der Hochsaison empfehlenswert – oder kommt gleich erst in der Nebensaison.



















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