Um es vorweg zu nehmen: Der Tag in Battambang war – neben unserem Tag auf dem Thale Noi See in Thailand (siehe Südthailand: Wasserbüffel in einem Meer von Seerosen) unser schönster und erlebnisreichster Urlaubstag! Er beginnt am Vorabend mit einem abendlichen Besuch der zweitgrößten kambodschanischen Stadt, Battambang hat immerhin etwa 120.000 Einwohner. Unser Guide Sokha holt uns dafür standesgemäß mit seinem TukTuk im Hotel ab, in Kambodscha werden diese Fahrzeuge mit Motorrädern vorne und zweirädrigen Wägelchen hinten auch Remok genannt.
Als erstes bringt Sokha uns zur ehemaligen Gouverneurs Residence. Erbaut von einem italienischen Architekten für den letzten thailändischen Gouverneur Anfang des 20. Jahrhunderts, bezog kurz darauf der französische Gouverneur das schmucke Haus, das heute ein Museum ist. Vor seinen Toren hängen Plakate mit dem Unabhängigkeitsdenkmal im Angkor-Stil. Ein solches steht in jeder kambodschanischen Stadt, die etwas auf sich hält, auch in Battambang!
Mittlerweile ist es dunkel geworden, in der Stadt erstrahlen bunte Lichter und die Menschen kommen aus den Häusern, um die Kühle der Nacht zu genießen. Das buddhistische Neujahrsfest steht kurz bevor, weshalb einige Straßenzüge hübsch geschmückt sind. Wir schauen uns das Wahrzeichen der Stadt an, die Ta Dambong Statue oder den „Schwarze Mann von Battambong“ mit seinem Zauberstab, der auf einer Verkehrsinsel steht – ihm ist die Entstehung der Stadt zu verdanken. Dem Zauberstab messen die Einheimischen immer noch große Bedeutung bei. Täglich werden am Fuß der Statue zahlreiche Opfergaben hinterlassen, die nach einer gewissen Verweilfrist von den Spendern oder von Bedürftigen wieder abgeholt werden dürfen.
Die leckeren Opfergaben vor Augen, bekommen auch wir Hunger und Sokha nimmt uns mit auf den Nachtmarkt. Da brutzelt und duftet es von diversen Grills, wir probieren ein paar Spieße und dann vor allem Süßspeisen, in Blätter eingewickelte Reis- und Mungbohnen-Köstlichkeiten. Die Verkäufer und Verkäuferinnen freuen sich sichtlich, dass wir ausgerechnet ihren Stand erwählt haben und ihre Speisen kosten wollen. Obwohl wir danach schon ziemlich satt sind, führt uns Sokha auch noch in ein Restaurant, wo wir zwei kambodschanische Nationalgerichte, Beef LokLak – scharf angebratenes, mariniertes Rindfleisch, oft serviert mit Ei -, und Amok – ein Curry -, essen. Beides schmeckt prima und das Restaurant Coconut Lyly (hier werden auch Kochkurse angeboten, nur Facebook-Auftritt), können wir sehr empfehlen.
Am nächsten Morgen startet der Tag wieder in Sokhas Remok und er fährt uns als erstes zu einer der bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt, dem Bamboo Train. Die einspurige Bahnstrecke wurde einst von den Franzosen erbaut und lag jahrzehntelang brach, bevor sie – nicht nur zum Vergnügen der Touristen, sondern auch für den Güter- sowie ein bisschen Personentransport zwischen Phnom Penh und Battambang – wieder aufgebaut wurde. Wir kommen an einer Art „Bahnhof“ an und staunen, wie dieser kleinste Zug der Welt, auch Norry genannt, in Minutenschnelle aufgebaut wird: zwei Achsen, eine Bambusplatte, ein 6-PS-Motor und Kissen – wir sind startklar! Mit immerhin bis zu 40 Stundenkilometern Geschwindigkeit brausen wir über die Strecke, vorbei an Reisfeldern und Lotusteichen. Nach wenigen Kilometern hält der Bamboo Train am nächsten Stopp, Getränke und Souvenirs werden angeboten. Dann wird das Wägelchen einfach umgedreht und es geht zurück. Doch was passiert, wenn sich zwei Norrys begegnen? Entweder muss der „Schwächere“, sprich der Leichtere oder schneller Abbaubare, weichen oder es wird eine Münze geworfen bzw. „SchnickSchnackSchnuck“ gespielt – das kennt man hier auch! Plötzlich stoppen wir und unser Schienentaxi wird von den Schienen genommen – ein Güterzug verfolgt uns und hier ist die Hierarchie eindeutig. Bis dieser vorbei ist, schauen wir dem Bauern mit seinen Enten zu und ein Reisfeld an, bevor es weiter zum Ausgangspunkt geht. Das Ganze ist natürlich sehr touristisch, aber wir haben auf jeden Fall unseren Spaß!
Anschließend geht es zurück in die Stadt, unser nächster Halt ist am Tempel Wat Samrong Knong. Dessen alter Teil wurde von den Roten Khmer als Gefängnis benutzt. Der neue Teil ist hübsch geschmückt zum buddhistischen Neujahrsfest. Zwischen den beiden Gebäuden haben die Gläubigen Sand aufgeschüttet, eine Tradition zum Neujahrsfest: Jede/r bringt etwas Sand zum Tempel und baut diesen quasi symbolisch auf.
Hinter dem Tempel ist eines der Killing Fields der Roten Khmer. 10.000 Menschen fielen in der Region um Battambang der Schreckensherrschaft unter Pol Pot zum Opfer, ein Teil von ihnen wurde direkt hinter dem Tempel ermordet und in einem Massengrab verscharrt. Mönche gruben die sterblichen Überreste wieder aus und errichteten eine Gedenkstätte mit deren Gebeinen. Um dieses Gebeinhaus herum verläuft eine Mauer mit Reliefs, die die Gräueltaten der Roten Khmer darstellen: Kinder werden von ihren Eltern getrennt oder vor deren Augen ermordet, Intellektuelle werden aus den Städten auf’s Land verschifft, zur Zwangsarbeit gezwungen oder gleich ermordet, Massenhochzeiten werden durchgeführt, um eine neue Generation entstehen zu lassen, die – getrennt von den Eltern – indoktriniert werden kann. Unsere Kinder können kaum glauben, dass dies noch gar nicht lange her ist und zu Lebzeiten ihrer Eltern geschah – die Schreckensherrschaft dauerte zwischen 1975 und 1979. Unseren Guide Sokha ist mit fast 40 Jahren zu jung, er hat das nicht persönlich miterlebt, aber die Erzählungen nehmen ihn sichtlich mit.
Anschließend nimmt uns Sokha mit in „seine Community“, er ist geboren in einem Stadtteil von Battambang. Dort besuchen wir zunächst einen Schmied, der aus einfachen Materialien vor allem landwirtschaftliche Geräte herstellt. Dann schlendern wir über den Markt, wo Sokha uns allerhand über den „Obst- und Gemüsegarten“ Battambangs mit seinen diversen Produkten erzählt. Da das Thermometer schon wieder über 40 Grad zeigt, kauft Sokha uns Wassermelonen, die wie Mangos gerade Saison haben. Er zeigt und erklärt uns auch, wie Bamboo Sticky Rice hergestellt wird: Klebreis wird mit Kokosnussmilch in einem ausgehöhlten Bambusrohr gegrillt, ein Snack mit eigener Verpackung, den wir schon in Thailand bewundert haben und auch hier gerne genießen.
Weiter geht es zum nächsten Genuss: Sokhas nimmt uns mit zu Freunden, die Bananenprodukte herstellen. Mehr als 15 verschiedene Bananensorten gibt es um Battambang und in dieser Familie werden sie auf verschiedene Arten haltbar gemacht. Das geschieht einmal durch Frittieren, aber auch durch Trocknen, bei dieser Hitze ist es eher ein „Braten“ auf großen Metallplatten in der Sonne. Wir versuchen auch mit unterschiedlich ausgeprägtem Geschick daran, mit einem Messer möglichst dünne Bananenscheiben abzuschneiden und diese für den Trocknungsvorgang eng nebeneinander zu legen; ich gebe bald auf und koste lieber die verschiedenen Produkte. Von den unterschiedlich farbigen, extrem leckeren frittierten Bananenchips nehmen wir einige Tüten mit nach Hause!
Sokha hat offenbar vor uns zu mästen, denn auch die nächste Station dreht sich ums Essen: Wir besuchen eine Familie, die Reispapier herstellt und bekommen den Herstellungsprozess von der Gewinnung des Reismehls bis zum fertigen Reispapier gezeigt. Natürlich darf auch hier die Kostprobe nicht fehlen und wir haben wohl noch nie frischere Sommerrollen mit unfrittiertem Reispapier und frittierte Frühlingsrollen gegessen – köstlich!
Bei einer Station streiken wir: der Fisch(pasten)Fabrik, die auch um diese Uhrzeit – früher Nachmittag – nicht mehr aktiv ist. Über 40 Grad und dann noch ein sehr strenger Geruch, das muss heute nicht sein. Wir nehmen lieber eine kleine Auszeit im Hotel, bevor es am späten Nachmittag zu einer weiteren Attraktion geht: der Fledermaushöhle. Diese befindet sich unterhalb des Phnom Sampov Mountain, auf dessen Spitze sich ein Tempel mit guter Aussicht auf das Umland befindet – in Anbetracht der Temperaturen haben wir diesen Programmpunkt ebenfalls gestrichen. Nicht entgehen lassen wollten wir uns aber das abendliche Schauspiel an der Bat Cave. Durch ein Tempeltor samt Elefant kommen wir kurz nach 17 Uhr mit Sokhas Remok vor der Höhle an und staunen über die Busladungen von Touristen. Netterweise werden diese wohl fast alle „gezwungen“, sich Stühle und teils auch Tische sowie Abendessen zu mieten, weshalb sie brav sitzenbleiben. Wir bevorzugen es, „frei herumzulaufen“ und bewundern zunächst die in den Kalkstein des Berges geschlagenen Reliefs. Langsam geht die Sonne unter und das Spektakel beginnt: Millionen Fledermäuse fliegen jeden Abend aus einer der Höhlen aus zur Nahrungssuche. So etwas haben wir noch nicht gesehen, der Strom hört gar nicht mehr auf, obwohl wir bestimmt 30 Minuten lang das Spektakel beobachten. Parallel erfahren wir weitere interessante Dinge von Sokha, zum Beispiel, dass die benachbarte Höhle auch als „Killing Cave“ bekannt ist, weil hier die Roten Khmer ihre Opfer „entsorgten“.
Nach diesem Naturschauspiel geht es zurück ins Hotel und wir müssen uns von Sokha verabschieden. Wir sind ihm sehr dankbar für diese wundervolle Zeit in Battambang und die vielen unvergesslichen Eindrücke, gerade auch in das lokale Leben und die kulinarischen Erlebnisse, die er uns ermöglicht hat. Battambang wird uns wegen ihm in bester Erinnerung bleiben!






























































Eine wundervolle Reise, mit so vielen unterschiedlichen Eindrücken! Kann man das alles aufnehmen?Da mir diese Regionen sehr fremd sind, habe ich den ganzen Blog mit großem Interesse gelesen und die wunderschönen Bilder dazu.
Wie immer klasse Beitrag über Thailand und Kambodscha.
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