Südthailand: königlicher Tempel und Schattenspielkunst

Ebenfalls fernab (massen-)touristischer Pfade ist die nächste Stadt auf unserer Rundreise: Nakhon Si Thammarat. Das Provinzstadt hat über 100.000 Einwohner, dürfte aber hierzulande kaum jemandem bekannt sein. Hier steht Südthailands größte und bedeutendste buddhistische Tempelanlage: der Wat Phra Mahathat, der den Status „Königlicher Tempel der Ersten Klasse“ besitzt und von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Die Tempelanlage zählt zu den ältesten Thailands – ein Teil wurde bereits im 3. Jahrhundert erbaut -, und beherbergt eine Zahnreliquie Buddhas.

Wie viele Gläubige übergießen wir vor den mächtigen Außenmauern eine der kleinen Buddha- oder Chedi-Figuren mit Wasser und sprechen einen Wunsch aus. Ordentlich bekleidet sind wir – ein Sarong-Tuch oder eine der typischen „Elefantenhosen“ zum Bedecken der Knie sollte ins Gepäck jedes Thailandreisenden gehören – und wir haben auch kein respektloses Tattoo. Also können wir durch eines der vier Tore, das von einem Bildnis des amtierenden Königs Maha Vajiralongkorn oder Rama X flankiert wird, den Tempel betreten. In Inneren kaufen wir ein „Opfergabenset“ bestehend aus den gelben Blumen, die wir schon oft auf den Märkten gesehen haben sowie mit einer kleinen Goldfolie umwickelte Räucherstäbchen samt Kerze. Mit der Kerze zünden wir die Räucherstäbchen an und opfern die Blumen. Die kleinen Goldfolien kleben die Gläubigen auf eine der zahlreichen Figuren im Tempel – je nachdem, zu welcher ein spezieller Bezug besteht. Wie lustig, dass bei manchen von uns sich ein Teil dieser Goldfolie anschließend tagelang am Smartphone wiederfindet …

Berühmt ist der Tempel auch für seinen über 70 Meter hohen Chedi (Stupa), in der mehr als über 200 Kilogramm Gold verarbeitet worden sein sollen. Der Chedi steht in einem „Wald“ von über 170 kleinen Chedis. Das Heiligtum mit der Buddha-Reliquie ist über eine Treppe erreichbar, die von mythologischen Riesen (Yaks) und Wächtertieren behütet wird (dieser Teil ist nicht zugänglich). Anschließend schauen wir uns noch das angeschlossene Museum (Fotografieren verboten) an, wo unzählige Spendengaben der Gläubigen aufbewahrt werden: von Buddhafiguren über Schmuck und wertvollen Büchern bis hin zu Geldscheinen aus aller Herren Länder.

Schattenspieltheater Talung

Nach dem Mittagessen besuchen wir das Schattentheater von Suchart Subsin und seiner Familie. Das Schattenspiel („Talung“) hat eine lange Tradition in Thailand und wird von der Familie seit Generationen gepflegt. Der Schattenspielkünstler und Figurenmacher Suchart Subsin gewann 1996 den Thailand Tourism Award in der Kategorie „Beste kulturelle Touristenattraktion“ und auch König Rama IX hat sich von seinem Schauspiel verzaubern lassen. Mittlerweile ist der Künstler verstorben, sein Wissen und seine Kunst werden aber in der Familie weitergeführt – hoffentlich noch lange.

Wir schauen uns zunächst das Museum an, wo uns stolz teils über 200 Jahre alte Schattenspielfiguren und die zum Schattentheater zugehörige Ausstattung wie Puppenkoffer und Musik-Instrumente, gezeigt werden. Anschließend erweckt Sucharts Sohn zunächst mehrere typische Figuren zum Leben und präsentiert und dann ein kleines Theaterstück, weitere Familienmitglieder unterstützen ihn mit traditionellen Instrumenten. Damit wir alles verstehen, erhalten wir sogar eine deutsche Übersetzung. Und so erleben wir eine klassische Geschichte mit den filigran gestalteten Figuren des Prinzen und der Prinzessin sowie den in allen Schattenspielaufführungen unerlässlichen, an den plumpen Umrissen erkennbaren „Deppen“. Sehr zu unserer Erheiterung werden auch moderne Elemente wie ein Smartphone oder ein Flugzeug eingebaut – dieses Ensemble geht mit der Zeit!

Im Anschluss zeigt uns eines der weiblichen Familienmitglieder die Kunst des Figurenherstellens auf einer Lederhaut. Wir dürfen auch selbst mal versuchen, mit dem Meisel und einer Schablone ein Muster in das harte Leder zu stanzen – gar nicht so einfach!

Wer in der Nähe ist, sollte Suchart Subsins Familie unbedingt besuchen – solche mit so viel Liebe gepflegte Traditionen sollten unbedingt erhalten und fortgeführt werden!

Hinterlasse einen Kommentar

Webseite erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑