Aït-Ben-Haddou ist eines der bekanntesten, sicher aber das am besten vermarktete Ksar in Marokko. Zur Erinnerung (siehe auch: Vom Hohen Atlas in die Wüste: die Flussoasen Todra und Dadès) Ksur (Mehrzahl von Ksar) sind wehrhaft gebaute Dörfer im ländlichen Raum, in diesem Fall des Stammes (=Aït) der Söhne (=Ben) von Haddou. Überall in den Stammesgebieten der Imazighen (den Begriff Berber = Barbar mögen die Einheimischen verständlicherweise nicht) gibt es diese Ksur. Aït-Ben-Haddou lag an einem wichtigen Knotenpunkt der Karawanenstraße (auf nach Timbouktou!), ist eine der malerischsten Siedlungen Marokkos und trägt seit 1987 den UNESCO-Weltkulturerbestatus.
Das ist weder den Touristengruppen noch der Filmindustrie verborgen geblieben. Kein Ort in Marokko wurde öfter als Filmkulisse genutzt als Aït-Ben-Haddou. Schon auf dem Weg dorthin aus dem 30 Kilometer entfernten Ouarzazate, das auch als Hollywood Marokkos bezeichnet wird, kommen wir an Filmstudios vorbei, die auch besichtigt werden können. In Aït-Ben-Haddou hängen überall Plakate mit den hier entstandenen Filmen: die Wüsten- und Trainingslager-Szenen des Gladiators (Russell Crowe), die Sklavenstadt Yunkai, die Khaleesi/Daenerys (Emilia Clarke) in Staffel 3 von Game of Thrones befreien will, Alexander, Die Mumie, Indiana Jones und noch viele mehr wurden hier gedreht. Für den Film „Jesus von Nazareth“ (1977) wurden die Lehmbauten umfangreich saniert, „Prince of Persia“ (2010) ist das große, historisch nicht korrekte (und nicht passierbare) Eingangstor zu „verdanken“. Cineasten sind hier auf jeden Fall im Glück.
Die meisten Touristengruppen starten ihren Besuch vom Aussichtspunkt „Pointe Vue Panoramique“ an der Straße P1506. Hier hat man allerdings auch die Neustadt im Bild, weshalb ich für ein Foto empfehle, etwas weiter westlich die schmale Gasse am „Café Restaurant La Kasbah Ait Ben Haddou“ hinunterzulaufen und von hier aus, ohne störende Neubauten, die historische Siedlung zu fotografieren. Samt malerisch verteilter Tajine-Gefäße auf der Mauer und Oasenkultur im Vordergrund. Und – Seltenheitswert! – Gewitterstimmung am Himmel, es fallen sogar ein paar Tropfen Regen. Anschließend überqueren wir das meist ausgetrocknete Flussbett des Asif Mellah und laufen durch Olivenhaine bis zum Eingangstor des Ksar.
Spätestens jetzt sind wir voll in der Vermarktungsindustrie angekommen. Noch vor dem Eingangstor empfängt uns eine Amazigh (Berberfrau), die Brot bäckt. Unser Guide Mohammed kauft eines und es schmeckt großartig. Im Ort wird weitere Handwerkskunst präsentiert, wie die sehr interessante „Feuermalerei“: Für die Farbgebung sorgen Tee (mit und ohne Zucker), Safran und Indigo in Wasser aufgelöst und mit Pinsel aufgetragen, über einer Gasflamme „geröstet“ entstehen wie von Zauberhand hübsche Kunstwerke. Kenne ich noch aus Kindertagen als Geheimschrift aus Zitronensäure, nur konnte man meine Werke bestenfalls lesen…
Hinter dem langen und wehrhaften Eingangstor (das des persischen Prinzen ist wie gesagt nur Fake) folgt ein Straßenlabyrinth durch die traditionellen Lehmbauten, malerische Fotomotive überall. Die einzelnen Wohnburgen werden Tighremts genannt, viele sind saniert, ein paar wenige nicht. Zwar ist fast alles auf die Touristen ausgerichtet, doch hier und da wohnen tatsächlich noch Einheimische und treiben ihren Esel durch die Gassen. Unbedingt nach oben auf den Hügel steigen, von hier habt ihr eine großartige Aussicht über den Ksar, den Fluss und die umgebende Landschaft!
Aït-Ben-Haddou gehört ohne Frage zu den „Must-See-Orten“ in Marokko, insbesondere für Filmliebhaber. Auch wenn Kommerz hier eindeutig im Vordergrund steht, ist dieses traditionelle Wehrdorf mit seinen rotbraunen Lehmbauten absolut sehenswert.




















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