Island, die Insel aus Feuer und Eis, gehört definitiv zu meinen Herzensländern. Zum vierten Mal verbringen wir in den Herbstferien 2024 ein paar Tage dort, dieses Mal im Westen und Norden des Landes. Unsere erste Station ist die Halbinsel Snaefellsnes, die auch „Iceland in a nutshell“ genannt wird. Nahezu alle Naturschönheiten Islands sollen sich hier auf kleinem Raum befinden – wir sind schon sehr gespannt!
Nach der Ankunft am Flughafen Keflavik holen wir das Auto ab (angesichts der Jahreszeit natürlich eines mit Vierradantrieb), fahren los und quälen uns durch den Feierabendstau (ja, auch so etwas gibt es auf Island!) der Hauptstadt Reykjavik nach Norden. Staubedingt erreichen wir etwas mehr als zwei Stunden später unsere erste Unterkunft, das Basalt Hotel in der Nähe der Kleinstadt Borgarnes. Wie viele isländische Unterkünfte liegt es idyllisch „in the middle of nowhere“, umgeben von (Schaf-)Weiden und – noch wichtiger – es hat einen tollen „Hot Tub“ mit Blick übers Tal! So beginnt unser Urlaub sehr island-zünftig in einem heißen Bad unter dem Sternenzelt.
Am nächsten Morgen geht es los zur Snaefellsnes-Halbinsel. Die Sonne geht Mitte Oktober auf Island um ca. 8:30 Uhr auf und um 18 Uhr unter. Aber die ersten und letzten Stunden haben doch eher Dämmerungscharakter, da passt es gut, dass wir bis zum ersten Stopp eine Zeitlang unterwegs sind. Denn an den Basaltklippen von Gerduberg empfangen uns die Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne dann in vollster Pracht! Die Basaltklippen sind schon von der Straße aus (Nr. 54) zu sehen, ein kurzer Schotterweg führt dorthin, kostenlose Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Wir fahren noch ein Stück bis zum Kirchlein Raudamelskirkja weiter, das sich an die Felswand schmiegt. Immer wieder finden wir auf Island diese „Kleinstkirchen“ und fragen uns, wie oft und mit wieviel Personen in dieser Einsamkeit wohl die Gottesdienste stattfinden?
Unser nächster Stopp ist einer der bekanntesten Haltepunkte auf der Halbinsel: der Robbenstrand Ytri Tunga, ebenfalls unweit der Straße Nr. 54. Entsprechend seiner „Prominenz“ ist hier ein Parkentgelt zu entrichten (wie üblich mithilfe des Nummernschilds – das per Kamera erfasst wird – und der Kreditkarte). Für unser Geld bekommen wir nicht nur den Parkplatz, sondern auch Infotafeln zu den diversen Robbenarten, die dem Strandabschnitt ihren Namen gaben. Zahlreiche Warnschilder bitten darum, sich den Tieren nur bis zu einer gewissen Entfernung zu nähern. Nach einem kurzen Fußmarsch Richtung Meer sehen wir dann auch die Protagonisten, die sich auf den Felsen räkeln. Besonders malerisch wirkt die Szenerie durch den Gletscher Snaefellsjökull im Hintergrund!
Wieder nur wenige Kilometer weiter halten wir an einem der vielen Wasserfälle, dem Bjarnarfoss (kostenloser Parkplatz, ebenfalls fast direkt an der Nr. 54). Über einen befestigten Spazierweg geht es nach oben bis zu einer Brücke. Gerade in den Morgenstunden, wenn die Sonne vom Meer her strahlt, bietet der sich über mehrere Kaskaden aus Basaltsäulen ergießende Wasserfall einen schönen Anblick. Bis zur Brücke ist dies ein schöner kurzer Spaziergang, wer höher will, muss klettern und sei im Winterhalbjahr vor vereisten Felsen gewarnt!
Aufgrund des begrenzten Tageslichts machen wir nicht die große Runde um den Snaefellsjökull herum, sondern fahren die Nr. 54 weiter über den Pass Richtung Olafsvik. Auf der Passhöhe genießen wir den schönen Ausblick auf die nördliche Küste mit ihren hellen und schwarzen Stränden.
Leider zieht das Wetter auf der Nordseite zu und so ist unser erster Anblick der berühmtesten Sehenswürdigkeit der Halbinsel etwas wolkenverhangen. Die Rede ist vom Kirkjufell, dem „Kirchenfelsen“, auch Zipfelmützenberg genannt. Der links und rechts vorbeischrammende Gletscher hat den markanten Berg geformt, der unter anderem als Kulisse bei „Games of Thrones“ diente. Er ist aber auch wirklich eindrucksvoll und kaum einer lässt sich, trotz erneuter Parkplatz-Gebührenpflicht, seinen Anblick mit den Wasserfällen im Vordergrund entgehen. Aber auch aus anderen Perspektiven (andere Parkplätze sind kostenfrei) ist der Felsen imposant.
Anschließend lassen wir uns im Kleinstädtchen Grundarfjördur im Graena Kompaniid, einem gemütlichen Café inmitten eines kleinen Buch- und Spielwarengeschäfts, leckere Kuchen und die Tagessuppe schmecken.
Wir setzen die Fahrt fort in die nächste Kleinstadt, Stykkisholmur, Fährhafen zu den einsamen Westfjorden. Wie ein Vorgeschmack auf diese noch abgeschiedenere Gegend mutet der starke Wind an, der uns fast die Autotüre wegreißt. Trotzdem parken wir das Auto am Hafen und steigen über eine Treppe auf den Felsen Sugandisey, wo wir fast weggeblasen werden. Lohn der Mühen ist der Ausblick über den Hafen und die Schären vom markanten roten Leuchtturm aus. Dass neben dem Tourismus die Haupteinnahmequelle des Städtchens die Fischerei ist, lässt sich an den zahlreichen Schiffen unschwer erkennen.
Hinter Stykkisholmur wird die Straße 54 (Snaefellsnesvegur) dann zur Schotterpiste. Hier sind 80 Stundenkilometer erlaubt, was wir größtenteils nicht ausschöpfen. Dafür ist auch die Aussicht auf die Schären und Westfjorde im abendlichen Dämmerlicht zu schön!
Unser Fazit zur Snaefellsnes-Halbinsel: Mit Wasserfällen, markanten Felsformationen, schwarzen Stränden, dem Gletscher und einsamen Landschaften ist dieser Landstrich wirklich eine Art „Island in klein“. Wir haben längst nicht alle Sehenswürdigkeiten angeschaut, locker kann man hier zwei Tage verbringen. Aber es ist eben auch ein Tagestrip ab Reykjavik möglich, bei dem man schon einiges sehen und genießen kann. Wer sich zum Abschluss noch etwas gönnen will, dem sei ein Besuch in den relativ neu eröffneten Thermalquellen von Hvammsvik (bei Borgarnes) empfohlen. Hier liegen mehrere Becken unterschiedlicher Temperatur direkt am Atlantik, ganz Mutige wagen sogar in den Wässern des Nordpolarmeers ein kurzes Bad!

































Begrenzte Helligkeit aber im Hot Tub das ist doch toll
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Ja, das stimmt!
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